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Kindergeld: Rettungshelfer und Rettungssanitäter als Berufsausbildung?

Junge Menschen machen oftmals im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres oder eines Bundesfreiwilligendienstes eine Ausbildung zum Rettungshelfer. Diese Ausbildung dauert im Allgemeinen nur 6 bis 8 Wochen und stellt die Mindestqualifikation für die Mitarbeit im Rettungsdienst und Krankentransport dar. Der Einsatz als Rettungshelfer ist möglich im Krankentransportwagen als Teammitglied neben einem Rettungssanitäter oder im Rettungswagen als Teammitglied neben einem Rettungsassistenten.

  • Nach der Qualifikation als Rettungshelfer kann eine Weiterqualifizierung zum Rettungssanitäter erfolgen (520 Stundenprogramm gemäß den Beschlüssen des Bund-/Länderausschusses Rettungswesen). Rettungssanitäter werden als verantwortliche Fachkraft im Krankentransport oder als Helfer des Rettungsassistenten in der Notfallrettung eingesetzt.
  • Der Rettungsassistent war in Deutschland der erste staatlich anerkannte Beruf im Rettungsdienst. Er wurde mit Wirkung zum 1.1.2014 durch den Notfallsanitäter abgelöst, der durch das Notfallsanitätergesetz eingeführt wurde. Die Ausbildung beträgt zwei Jahre. Die Aufgaben des Rettungsassistenten umfassen die eigenständige Versorgung von Notfallpatienten bis zum Eintreffen des Notarztes, Assistenz bei Maßnahmen des Arztes und eigenverantwortliche Durchführung von Einsätzen, bei denen bis zum Eintreffen im Krankenhaus nicht die Anwesenheit eines Arztes möglich oder aber eine qualifizierte Betreuung nötig ist, ferner das fachgerechte Durchführen von Krankentransporten.

Unstrittig ist, dass die Ausbildung zum Rettungssanitäter und erst recht zum Rettungsassistenten eine vollwertige Berufsausbildung darstellt (BFH-Urteil vom 27.10.2011, VI R 52/10). Falls es sich dabei um eine Erstausbildung handelt, besteht für die Eltern bis zum 25. Lebensjahr des Kindes Anspruch auf Kindergeld, während das Kind seine Aufwendungen lediglich begrenzt als Sonderausgaben absetzen kann.

Schließt sich eine Zweitausbildung an, gibt es dafür einen Vor- und einen Nachteil: Die Eltern bekommen Kindergeld nur dann, wenn das Kind neben der Ausbildung keine Erwerbstätigkeit oder eine von maximal 20 Wochenstunden ausgeübt. Das Kind aber darf seine Kosten nun in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten absetzen.

Aktuell hat das Finanzgericht Hessen entschieden, dass die Ausbildung zum Rettungshelfer keine erstmalige Berufsausbildung darstellt. Das bedeutet, dass die Eltern während dieser Kurzausbildung und während einer anschließenden „richtigen“ Berufsausbildung, die dann die Erstausbildung ist, ohne Wenn und Aber Anspruch auf Kindergeld haben und das Kind seine Aufwendungen in beiden Fällen nur begrenzt bis 6.000 Euro als Sonderausgaben absetzen darf.

Falls also das Kind im freiwilligen sozialen Jahr als Rettungshelfer ausgebildet wird und danach bis zum Beginn des Studiums in Vollzeit als Rettungshelfer tätig ist, bekommen die Eltern gleichwohl das Kindergeld (FG Hessen vom 21.5.2015, 2 K 155/13).

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Seit dem 1.1.2015 liegt eine „richtige“ Berufsausbildung nur dann vor, wenn die Ausbildung in einem geordneten Ausbildungsgang mindestens 12 Monate in Vollzeit dauert und mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Nur nach einer solchen Erstausbildung können die Kosten für die Zweitausbildung in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden (§ 9 Abs. 6 Satz 2 EStG).

Kürzere Ausbildungen sind als „berufsvorbereitende Maßnahmen“ oder als bloße „Anlernphase“ zu verstehen, nicht aber als Erstausbildung. In der Anlernphase werden lediglich begrenzte berufliche Fähigkeiten erworben; sie beendet aber nicht den Lebensabschnitt bis zum Abschluss der ersten ordentlichen Berufsausbildung. Gleichwohl sind die Kosten einer solchen Anlernphase bis zu 6.000 Euro als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG).

 

4 Kommentare

  1. In dem Text gibt es einen Widerspruch: Zuerst heißt es, dass es unstrittig sei, dass die Ausbildung zum Rettungssanitäter und erst recht zum Rettungsassistenten eine vollwertige Berufsausbildung darstellt (BFH-Urteil vom 27.10.2011, VI R 52/10). Dann steht unten unter „Info“, dass eine „richtige“ Berufsausbildung mindestens 12 Monate dauern muss. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter dauer aber nur 12 Wochen…

    • Thilo Rudolph

      Hallo Hentschel,

      das ist kein Widerspruch:

      Lt. BFH-Urteil vom 27.10.2011 ist die Ausbildung zum Rettungssanitäter und erst recht zum Rettungsassistenten eine vollwertige Berufsausbildung.

      Aber seit dem 1.1.2015 liegt eine „richtige“ Berufsausbildung i.S.d. EStG nur dann vor, wenn die Ausbildung in einem geordneten Ausbildungsgang mindestens 12 Monate in Vollzeit dauert und mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Nur nach einer solchen Erstausbildung können die Kosten für die Zweitausbildung in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden. (§ 9 Abs. 6 Satz 2 EStG)

      D.h. die Ausbildung zum Rettungssanitäter und zum Rettungsassistenten gilt zwar weiterhin als vollwertige Berufsausbildung, aber steuerlich wird diese nicht als Erstausbildung sondern nur als „berufsvorbereitende Maßnahmen“ anerkannt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
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  2. Das klingt für mich trotzdem noch wie ein Wiederspruch. Das BFH Urteil vom 27.10.2011 bezog sich doch insbesondere auf die steuerliche Behandlung. Haben SIe eine Quelle für die Entscheidung oder Auslegung seit dem 01.01.2015. Aus dem EStG geht das so klar nicht hervor.

    • Hallo Henning,

      das BFH-Urteil ist aus 2011, aber der § 9 Absatz 6 EStG wurde per Gesetz vom 22. Dezember 2014 (BGBl. I S. 2417) geändert. Erstmals anzuwenden war das neue Gesetz für den Veranlagungszeitraum 2015. Die Definition für eine Berufsausbildung als Erstausbildung wurde also mit Gültigkeit zum 1.1.2015 geändert:

      § 9 Absatz 6 EStG
      Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine Berufsausbildung oder für sein Studium sind nur dann Werbungskosten, wenn der Steuerpflichtige zuvor bereits eine Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) abgeschlossen hat oder wenn die Berufsausbildung oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Eine Berufsausbildung als Erstausbildung nach Satz 1 liegt vor, wenn eine geordnete Ausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bei vollzeitiger Ausbildung und mit einer Abschlussprüfung durchgeführt wird. […]

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
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