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Tagesmütter: Wie Vergütungen für Kinderbetreuung steuerlich behandelt werden

Seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab seinem ersten Geburtstag einen Anspruch auf Förderung in einer öffentlichen Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter. Viele Eltern schätzen die Betreuung ihrer Kleinen durch private Tagesmütter, denn die Vorzüge liegen – gerade für Kinder unter drei Jahren – in der familienähnlichen, intensiven und individuellen Betreuung in einer kleinen, übersichtlichen Kindergruppe. Tagesmütter wollen wissen, wie die Vergütungen steuerlich zu behandeln sind und wie ihre Tätigkeit bezüglich der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung einzuordnen ist.

Aktuell hat das Bundesfinanzministerium neue Richtlinien zur steuerlichen Behandlung von Tagesmüttern – im Amtsdeutsch Tagespflegepersonen – bekannt gegeben (BMF-Schreiben vom 11.11.2016):

  • Betreut die Tagesmutter Kinder verschiedener Eltern im eigenen Haushalt oder in anderen Räumen eigenverantwortlich, handelt es sich um eine selbstständige erzieherische Tätigkeit, da sie vorrangig auf die Erzielung von Einkünften ausgerichtet ist. Sie erzielt Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG.
  • Betreut die Tagesmutter ein Kind oder mehrere Kinder in dessen / deren Familie nach Weisungen der Eltern, ist sie in der Regel Arbeitnehmer, die Eltern sind die Arbeitgeber. In diesem Fall erzielt die Tagesmutter Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit gemäß § 19 EStG.
  • Bei der Ermittlung der freiberuflichen Einkünfte können die mit der Betreuung verbundenen Aufwendungen als Betriebsausgaben abgesetzt werden, entweder in tatsächlicher Höhe gegen Nachweis oder ganz einfach in Höhe einer Betriebsausgabenpauschale. Diese beträgt 300 Euro je Kind und Monat und bezieht sich auf eine Betreuungszeit von 40 Wochenstunden pro Kind.
  • Bei einer geringeren Betreuungszeit als 40 Wochenstunden wird die Pauschale zeitanteilig gekürzt. Die anteilige Betriebsausgabenpauschale beträgt 300 Euro x wöchentliche Betreuungszeit dividiert durch 40 Stunden.
  • Erhält die Tagesmutter laufende Geldleistungen für Freihalteplätze, die im Fall einer Krankheits-, Urlaubs- oder Fortbildungsvertretung einer anderen Tagesmutter kurzfristig belegt werden können, kann von diesen Einnahmen eine Betriebsausgabenpauschale von 40 Euro je Freihalteplatz und Monat abgezogen werden.
  • Bei Belegung der Freihalteplätze ist die Freihaltepauschale zeitanteilig zu kürzen. Und zwar entsprechend dem Verhältnis der Tage der Belegung im Monat zu pauschal 20 Arbeitstagen im Monat.

I N F O

Lohnsteuer kompakt: Von den Vergütungen des Jugendamtes sind steuerpflichtig nur die Betreuungsleistung und die Erstattung für Sachaufwand gemäß § 23 Abs. 2 Nr. 1 und 2 SGB VIII. Die Vergütungen sind steuerpflichtige Einnahmen aus freiberuflicher Tätigkeit gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Dies gilt unabhängig von der Anzahl der betreuten Kinder und von der Herkunft der vereinnahmten Gelder. Nicht steuerpflichtig sind hingegen die Erstattungen für Unfallversicherung, Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung gemäß § 23 Abs. 2 Nr. 3 und 4 SGB VIII (§ 3 Nr. 9 EStG).

Update 19.10.2018: Weitere Informationen finden Sie auch in der Publikation „Fakten und Empfehlungen zu den Regelungen in der Kindertagespflege„, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) herausgegeben hat.

 

10 Kommentare

  1. Wie trage ich die Tätigkeit als Tagesmutter in die Steuererklärung ein? /texte/2017/310/ Ich werde hier aufgefordert eine EÜR oder Bilanz zu erstellen? Beides habe ich in den Jahren davor nie getan!

    • Thilo Rudolph

      Hallo Herr Bollig,

      Kleinstunternehmer, deren Betriebseinnahmen (Umsatz, nicht Gewinn!) weniger als 17.500 Euro brutto betragen, brauchen das Steuerformular „Anlage EÜR“ nicht auszufüllen. Sie können ihren Gewinn formlos durch Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ermitteln und diese Aufzeichnung der Steuererklärung beilegen (BMF-Schreiben vom 10.2.2005, BStBl. 2005 I S. 320).

      Bei Lohnsteuer kompakt wählen Sie bitte als Art der Gewinnermittlung die Option „Einnahmeüberschussrechnung“ aus. Sie können ihren Gewinn weiterhin auch formlos durch Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ermitteln und diese Aufzeichnung der Steuererklärung beilegen, wenn Ihr Umsatz weniger als 17.500 Euro brutto beträgt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

  2. Hallo, kann mir bitte jemand helfen. Wo trage ich die Betriebskosten pauschale in der Steuererklärung ein?
    LG Nicole

    • Hallo Nicole,

      wenn Sie eine Betriebsausgabenpauschale oder den Freibetrages nach § 3 Nr. 26 EStG in Anspruch nehmen wollen, ist der entsprechende Euro-Betrag in die gleichnamige Zeile 23 der Anlage EÜR (Einnahmenüberschussrechnung) im Abschnitt Betriebsausgaben zu vermerken.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

  3. hallo
    bitte um hilfe
    müssen wir als Tagesmutter einen Umsatzsteuererklärung abgeben?

    LG Cenkiz

    • Hallo Frau Cenkiz,

      pauschal lässt sich das nicht beantworten. Vielleicht hilft Ihnen die Infobroschüre „Die Besteuerung von selbstständigen Tagesmüttern“ weiter.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

  4. Tagesmutter Betriebsausgabenpauschale
    Das Finanzamt möchte jetzt Informationen über die Kostenarten welche in der Betriebsausgabenpauschale enthalten sind. Ist diese Anfrage zum einen rechtens und falls ja welche Kosten können aufgezeigt werden?
    Einerseits wird eine Vereinfachung über die Betriebsausgabenpauschale geboten um dann nachzuhaken welche Kosten damit in Abzug gebracht werden. Das ist nicht mehr normal oder sehe ich das nur seitenverkehrt?

    • Hallo ch.diez,

      leider kann ich Ihnen diese Frage nicht beantworten, die Regelungen zur Betriebsausgabenpauschale sind im BMF-Schreiben vom 11.11.2016 ausführlich geregelt, dass auch den Sachbearbeitern der Finanzamtes vorliegen sollte. Vielleicht sollten Sie einfach mit Ihrem zuständigen Sachbearbeiter telefonieren, was genau er will und ob ihm das BMF-Schreiben bekannt ist. Anschrift und Telefonnummern können Sie mit unserer Finanzamtssuche ermitteln.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

  5. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde überall nur Informationen wenn die Stunden pro Kind unter 40 sind, was ist aber wenn die Betreuung eines Kindes über 40 Stunden, z.b. 50 Stunden pro Woche. Erhöht sich dann die Betriebkostenpauschale oder ist dies auf EUR 300 gedeckelt?
    DANKE für die Hilfe.
    Viele Grüße

    • Hallo Paula,

      die Betriebsausgabenpauschale beträgt bei einer Betreuung für durchschnittlich 8 Stunden oder mehr pro Tag 300 Euro/Monat/Kind.

      Es kann entweder die Betriebsausgabenpauschaln von 300 Euro/Monat/Kind in Anspruch genommen oder die tatsächlichen Betriebsausgaben abgezogen werden. Neben den Betriebsausgabenpauschalen ist ein zusätzlicher Abzug tatsächlicher Betriebsausgaben aber damit nicht zulässig. D.h. aber auch, dass Sie sehr wohl pro Kind auch höherer Betriebsausgaben geltend machen können. Sie müssen dann aber die tatsächlichen Aufwendungen auch ggf. gegenüber dem Finanzamt nachweisen.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Bei tiefergehenden Fragen wenden Sie sich daher bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

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