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Kredite aus steuerlicher Sicht korrekt behandeln

Manchmal ist es geradezu verlockend, einen Kredit aufzunehmen. Finanzielle Probleme scheinen mit einem Mal verschwunden und die lange gewünschte Investition rückt endlich in greifbare Nähe. Wer einen Kredit aufnimmt, muss die Rückzahlung im Auge behalten. Gerade die Zinsen können die endgültige Rückzahlungssumme in abenteuerliche Höhen treiben. Immer mehr Verbraucher fragen sich daher, ob es eine Möglichkeit gibt, den Kredit steuerlich geltend zu machen. Dieser Beitrag erklärt, welche Kredite von der Steuer absetzbar sind und welche nicht.

 

Zinsen sind absetzbar, Tilgungsbeträge nicht

Ein Darlehen wirkt sich nicht auf das zu versteuernde Einkommen aus. Aus diesem Grund können Tilgungsbeiträge bei der Rückzahlung grundsätzlich nicht steuerlich geltend gemacht werden. Sie stellen keine Einnahme dar und sind daher auch keine Ausgabe. Der Begriff Tilgung bedeutet, dass der Kreditnehmer lediglich das Geld zurückzahlt, das er bereits erhalten hat. Anders sieht es bei den Zinsen aus, die zusätzlich zu zahlen sind. Diese können, unter bestimmten Voraussetzungen, von der Steuer abgesetzt werden. Dazu ist es notwendig, dass der Kredit für einen bestimmten Zweck aufgenommen wurde, beispielsweise um eine vermietete Immobilie zu modernisieren oder um eine beruflich genutzte Zweitwohnung zu finanzieren.

Wichtig: Zinsen sind nur dann steuerlich geltend zu machen, wenn durch den Kredit steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden! Kredite, die ausschließlich für private Zwecke aufgenommen werden, beispielsweise für einen Urlaub oder eine Hochzeit, sind nicht steuerlich absetzbar.

Um bei der Steuererklärung keine bösen Überraschungen zu erleben, ist es sinnvoll, Kredite und Ausgaben klar zu deklarieren. So tragen Kreditinstitute und Kreditnehmer auf dem Darlehensvertrag ein, zu welchem Zweck der Kredit aufgenommen wurde. Bei Ausgaben, die von dem Kredit getätigt werden, muss klar ersichtlich sein, worum es sich handelt und welchem Zweck die Ausgaben dienen. So kann das Finanzamt bei der Prüfung der Steuererklärung den Zusammenhang erkennen.

Kredite, die für die Modernisierung einer Bestandsimmobilie genutzt werden, können steuerlich geltend gemacht werden. Voraussetzung ist, dass die Immobilie vermietet wird.

 

Immobilienkredite als Werbungskosten absetzen

Voraussetzung dafür, dass ein Immobilienkredit steuerlich geltend gemacht werden kann, ist die Vermietung. Ein Immobilienbesitzer, der mit einem Kredit seine Immobilie modernisiert, muss diese regulär vermieten, um die Zinsen absetzen zu dürfen. Ein reiner Immobilienkredit für das eigene Haus ist nicht absetzbar.

 

Beispiel

Eine Privatperson nimmt einen Kredit auf, um damit eine Eigentumswohnung zu modernisieren. Diese Wohnung vermietet die Privatperson in der Folge und erwirtschaftet ein Einkommen durch Vermietung. Die Zinsen, die bei der Rückzahlung des Darlehens anfallen, kann die Privatperson bei der Steuererklärung geltend machen, da sie zu den Geldbeschaffungskosten gehören.

Tipp: Bei der Wahl des Kredites ist ein Kreditvergleich sinnvoll. Dieser ist online mit wenigen Angaben durchführbar und hilft dabei, die besten Konditionen zu finden. Es ist zudem möglich, Kredite direkt zweckgebunden zu vergleichen, also beispielsweise für eine Immobilien-Modernisierung.

Liegt ein Fall wie im obigen Beispiel vor, fallen die Zinsen für das Darlehen unter die sogenannten Werbungskosten. Dieser Kostenpunkt wird in der Steuererklärung in Anlage N angegeben und bezieht sich auf Kosten, die mit den Einkünften in Zusammenhang stehen. Dazu gehören Berufsbekleidung und Fahrtkosten zur Arbeitsstelle ebenso wie Kosten für die Instandhaltung und Modernisierung von vermietetem Eigentum.

Ebenfalls zu den Werbungskosten zählen Kredite für den Bezug einer Zweitwohnung. Viele Arbeitnehmer pendeln zu ihrer Arbeitsstätte oder haben eine zweite Wohnung in der Nähe der Arbeit. Die Zweitwohnung muss angemietet, eingerichtet und bezogen werden – das alles verursacht Kosten. Die Kosten für die Zweitwohnung können also auch steuerlich geltend gemacht werden. Zinsen für einen Kredit, mit dem die Wohnung eingerichtet wird, zählen zu diesen Kosten.

Wer eine Fortbildung, beispielsweise an der Meisterschule, macht, nimmt häufig einen Kredit auf. Die anfallenden Zinsen gehören zu den Werbungskosten.

Kosten für die Bildung steuerlich absetzen

Junge Menschen müssen nicht selten Kredite aufnehmen, um ihren Bildungsweg zu finanzieren. Je nach Ausbildungsart gibt es verschiedene Bildungskredite, die attraktiv sind. Zu diesen zählen:

• Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG
• Bildungsdarlehen oder Studienkredite
• Meister-BAföG

Je nach Förderung und Art der Ausbildung gibt es unterschiedliche Konstellationen, was die Rückzahlung betrifft.

 

Förderung nach BAföG

Studierende, die BAföG erhalten, bekommen eine besondere Form der Förderung. Die Fördersumme setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die eine Hälfte des Geldes ist ein zinsloses Darlehen, die andere Hälfte muss der Studierende gar nicht zurückzahlen. Da auf BAföG keine Zinsen anfallen, kann die Förderung bei der Steuererklärung nicht geltend gemacht werden.

 

Meister-BAföG

Das Meister-BAföG oder „Aufstiegs-BAföG“, kurz ABAföG, fördert Personen, die einen der mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse erwerben möchten. Dazu zählen unter anderem Meister-Titel, daher der Name. Einerseits erhalten die Personen Zuschüsse, die sie nicht zurückzahlen müssen. Zudem sind Förderungen im Rahmen von zinsgünstigen Krediten möglich. Diese überbrücken die Differenz zwischen Zuschuss und maximaler Förderungssumme. Die Zinsen, die zu zahlen sind, können steuerlich geltend gemacht werden. Sie zählen zu den Werbungskosten.

 

Bildungsdarlehen und Studienkredite
Diese Form der Förderung wird von verschiedenen Kreditinstituten zu unterschiedlichen Konditionen angeboten. Grundsätzlich kann jeder, der sich in Ausbildung, Studium oder Weiterbildung befindet, einen solchen Kredit aufnehmen. Selbstverständlich fallen hier Zinsen an, die zusammen mit den Tilgungsbeiträgen zu zahlen sind. Bei der steuerlichen Behandlung wird zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben unterschieden. Ist die Ausbildung die erste des Kreditnehmers, fallen die Zinsen nur unter Werbungskosten, wenn der Kreditnehmer Geld mit dieser Ausbildung verdient. Sonst sind die Zinsen unter Sonderausgaben zu berücksichtigen. Hat der Kreditnehmer bereits eine abgeschlossene Ausbildung, sind die Zinsen in jedem Fall Werbungskosten. Hier ist allerdings nachzuweisen, dass die zweite Ausbildung eine Weiterbildung ist oder sich direkt auf den aktuellen Beruf bezieht.

 

Einen Privatkredit vergeben
Nicht nur Personen, die einen Kredit aufnehmen, können diesen steuerlich geltend machen. Personen, die privat ein Darlehen vergeben, müssen die Zinseinkünfte bei der Steuer angeben. Dabei ist es unerheblich, ob das Darlehen direkt an einen Freund vergeben wurde oder ob die Kreditvergabe über ein Online-Portal erfolgte. Zinseinkünfte unterliegen der Abgeltungssteuer, die derzeit 25 Prozent beträgt. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Die Zinserträge sind in der in der Einkommensteuererklärung in Anlage KAP in Zeile 14 anzugeben. Der Sparerpauschbetrag von 801 Euro wird automatisch berücksichtigt – Einkünfte aus Zinsen müssen nur darüber hinaus versteuert werden.

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