Arbeitsmittel: Was nach Eintritt in den Ruhestand noch steuerlich absetzbar ist

Arbeitsmittel: Was nach Eintritt in den Ruhestand noch steuerlich absetzbar ist
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Mit Beginn des Ruhestandes sind bisher beruflich genutzte Gegenstände – also Arbeitsmittel – oftmals noch nicht steuerlich vollständig abgeschrieben, d.h. im Wege der „Absetzung für Abnutzung“ (AfA) als Werbungskosten geltend gemacht. So ist beispielsweise ein Computer, der im Jahr zuvor angeschafft worden ist, erst mit einem Drittel abgeschrieben und steht noch zu zwei Drittel zu Buche. Oder ein Schreibtisch oder Bücherschrank, deren Anschaffungskosten auf 13 Jahre zu verteilen sind, wurde erst fünf Jahre genutzt und steuerlich abgesetzt. Die Frage ist, ob der verbliebene Restwert im letzten Jahr der Berufstätigkeit als Werbungskosten abgesetzt werden darf.

Mit dem Ruhestand wird das Arbeitsmittel aus dem beruflichen Bereich in den privaten Bereich überführt. Dies nennt man „Entwidmung„. Mit der „Entwidmung“ endet die Abschreibung, ohne dass das restliche Abschreibungsvolumen abgeschrieben werden kann. Der verbliebene Restwert kann nicht mehr abgesetzt werden, auch nicht als „Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung – AfaA“ gemäß § 7 Abs. 1 Satz 7 EStG (BFH-Urteil vom 15.12.1989, BStBl. 1990 II S. 692).

Aktuell hat das Finanzgericht München bestätigt, dass mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses die Möglichkeit der Abschreibung verloren geht. Die AfA ist nur monatsgenau bis zum Monat des Ausscheidens zulässig. Auch kann der Restwert nicht als „Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung – AfaA“ abgesetzt werden (FG München vom 21.1.2016, 10 K 965/15).

Eine AfaA kann nicht allein deshalb vorgenommen werden, weil das Wirtschaftsgut nicht mehr als Arbeitsmittel dient. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Nutzung des Wirtschaftsguts zur Einkünfteerzielung freiwillig oder unfreiwillig beendet wird.

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Dass das Arbeitsmittel noch nicht vollständig abgeschrieben ist, führt nicht dazu, dass Sie etwa einen Vorteil – eine Entnahme – versteuern müssten. Ebenfalls ist es steuerlich nicht nachteilig, wenn Sie beruflich genutzte Gegenstände als Werbungskosten absetzen und sie dann anschließend entwidmen, d.h. für den Privatbereich entnehmen. Das gilt auch dann, wenn Sie ein Wirtschaftsgut unter 410 Euro (Anschaffung bis 31.12.2017) bzw. 800 Euro (Anschaffung ab 1.1.2018) im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgesetzt haben.

Ein Verkauf des Arbeitsmittels ist keine Lösung, denn auch in diesem Fall können Sie die AfA nur zeitanteilig für die Monate der beruflichen Nutzung bis zum Verkaufszeitpunkt als Werbungskosten absetzen, und zwar einschließlich des Verkaufsmonats. Der verbleibende Restwert ist nicht absetzbar, denn mit dem Verkauf endet die AfA, „ohne dass das restliche AfA-Volumen noch abgeschrieben werden könnte“ (BFH-Urteil vom 15.12.1992, BFH/NV 1993 S. 599).

7 Kommentare zu “Arbeitsmittel: Was nach Eintritt in den Ruhestand noch steuerlich absetzbar ist”:

  1. Marie-Luise Drost

    Ich finde diese Regelung sehr ungerecht. Ich zahle als Rentner Steuern und benötige meinen Laptop auch nach Eintritt in Rente für Rückfragen meines vorherigen Arbeitgebers per Mail. Außerdem bin ich gezwungen, eine Steuererklärung zum machen, dafür benötige meinen Laptop für die Informationsgewinnung und für das Steuerprogramm sowie auch für die Verwaltung (Kundenportal Krankenkasse, Pensionskasse etc.).

    Auch für die Jobsuche benötige ich einen Laptop.

  2. Heinrich Leonhard

    ich bin auch der Meinung, dass zumindest zu einem % Anteil der PC absetzbar sein müsste. Als Pensionär muss ich jede Arztrechnung prüfen, mit den Ärzten korrespondieren, mit privater Krankenkasse und Beihilfe und möglicherweise sogar mit Anwalt. Heutzutage muss man mit Versicherungen korrespondieren, /texte/2021/310/ hier scannt man Belege usw und verschickt sie per e-mail. Das ist ja nur ein Ausschnitt.
    Sollte jemand eine positive Entscheidung eines Gerichts haben, bitte ich um Information

  3. Klaus Kövener

    Rentner, Pensionäre müssen Steuern bezahlen und in den meisten Fällen auch jährlich eine Steuererklärung erstellen. Diese sollte neuerdings online über ELSTER eingereicht werden. Allein deshalb wäre es schon fair, wenn auch für Rentner und Pensionäre ein Laptop oder PC zumindest teilweise steuerlich anerkannt würde. Jetzt in 2022 kommt hinzu, daß Hauseigentümer, oft auch Rentner und Pensionäre, eine Grundsteuer- Erklärung über ihr Grundstück / Haus vom 1. Juli bis Ende Oktober beim Finanzamt einreichen müssen – online versteht sich. Allein daran erkennen wir, daß die Digitalisierung immer weiter in unser Privatleben eindringt, auch gerade dann, wenn der Staat etwas von uns will, wie z.B. die Grundsteuer…. Auch meine Kommunikation mit dem Finanzamt (Post von heute – Belege nachreichen) soll digital über ELSTER erfolgen… auch kommunizieren Rentner / Pensionäre heute mit Krankenkassen, Gemeinden, Versicherungen usw. digital, weil das die Arbeitsabläufe in den Firmen und staatlichen Einrichtungen erleichtern und beschleunigen soll. Häufig bedeutet das weniger Personal und zugleich Kosten sparen, wozu auch die Rentner / Pensionäre beitragen (sollen), aber, wie es scheint, auch hier wieder auf eigene Kosten. Also, es wird Zeit, daß das Finanzamt PC’s oder Laptops mit dem nötigen Zubehör und den anteiligen Internetkosten usw. bei der Steuererklärung als absetzungsfähige Kosten anerkennt … wie sieht denn da die Rechtssprechung aus??? Gibts da schon klare gerichtliche Entscheidungen aus neuster Zeit??

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Klaus,

      Werbungskosten müssen immer in Zusammenhang mit der Einkünfteerzielung stehen. Für den Erhalt von Renten und Pensionen ist der Besitz eines Computers nicht notwendig, da die Anschaffung nicht in direktem Zusammenhang steht und somit kein Arbeitsmittel darstellt.

      Dies gilt im Übrigen für alle Steuerpflichtigen, d. h. die Anschaffung eines PCs muss unmittelbar mit der Einkünfteerzielung zusammenhängen. Allerdings wird dies bei Angestellten und Selbständigen immer angenommen, weswegen hier der Computer als Arbeitsmittel in der Regel (anteilig) anerkannt wird.

      Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist die Erstellung der (persönlichen) Steuererklärung dagegen vollständig der privaten Lebensführung zuzuordnen und die Kosten hierfür nicht in der Steuererklärung abzugsfähig.

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Wenden Sie sich bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

  4. Ina

    Sehe das ähnlich mit der Absetzbarkeit eines PC/Laptop. Habe aber eine spezielle Frage dazu. War in 2021 einige Monate Arbeitslos und habe ALG I bezogen. Zu dieser Zeit war der PC für den Kontakt zum Arbeitsamt notwendig, auch wegen CORONA. Nach dem Auslaufen vom ALG I habe ich keine Einkünfte ausser der Rente meines Manns. ALG II oder Hartz 4 wurde nicht beantragt, da ich nichts bekommen würde. Suche aber aktuell mit 55 Jahren noch einen Job um die Zeit bis zum Renteneintritt zu überbrücken. Auch dafür benötige ich einen PC. Wie kann ich hier argumentieren?

    1. Thilo Rudolph Autor

      Hallo Ina,

      wenn Sie Ihren heimischen Computer nicht nur privat, sondern auch beruflich als Arbeitnehmer nutzen, können Sie die damit verbundenen Kosten anteilig als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Im Falle des Computers gilt die Zehn-Prozent-Grenze nicht, wonach ein Gegenstand nur dann als Arbeitsmittel anerkannt wird, wenn es mindestens zu 90 Prozent beruflich genutzt wird. In welcher Höhe Sie die Kosten für den PC absetzen können, hängt vielmehr von der tatsächlichen Nutzungsdauer für berufliche und private Zwecke ab. Weitere Informationen …

      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen keine individuelle steuerliche Beratung durchführen dürfen. Wenden Sie sich bitte für eine verbindliche Auskunft an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Steuerfragen in Ihrer Nähe.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

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