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Riester-Rente

Die Riester-Rente eignet sich nur für Kinderreiche und Menschen mit wenig Einkommen? Falsch! Gerade wenn Sie etwas mehr verdienen und einen hohen Einkommensteuersatz haben, kann sich Riestern lohnen. Denn dann können Sie auch noch den Steuervorteil ausschöpfen.

Mit Riester Steuern sparen

Der Ruf der Riesterrente hat in den letzten Jahren etwas gelitten. Hohe Abschlussprovisionen und Verwaltungskosten, die an den Zulagen zehren, dazu Ärger um zurückgerufene Fördergelder – es überrascht nicht, dass es Vermittler in den letzten Monaten immer schwerer hatten, Neuverträge an den Mann zu bringen. Mit der richtigen Sparform und einem passenden Vertrag lohnt sich Riestern aber immer noch. Und das nicht nur für Kinderreiche und Menschen mit geringem Einkommen. Besserverdiener profitieren sogar doppelt! Denn neben der Zulage bekommen sie auch noch einen Steuervorteil.

Die Grundregeln des Riesterns sind einfach: Sie zahlen 4 Prozent Ihres Einkommens – mindestens 60 Euro und höchstens 2.100 Euro – in einen Riester-zertifizierten Vertrag ein. In Frage kommen Fonds- und Banksparpläne, Rentenversicherungen und beim Wohn-Riester auch Bausparverträge oder Hypothekendarlehen. Auf diesen Eigenbeitrag legt der Staat die Förderung drauf: 175 Euro Grundzulage (bis 2017: 154  Euro) im Jahr sind Ihnen sicher.

Dazu gibt es für jedes Kind, das ab dem 1.1.2008 geboren wurde, 300 Euro, für ältere Kinder immerhin 185 Euro. Die Zulage fließt solange es Kindergeld gibt, im besten Fall also 25 Jahre lang. Wichtig ist nur, dass Sie Ihre Riester-Beiträge regelmäßig Ihrem Einkommen anpassen und vor allem den Zulagenantrag nicht vergessen!

Riester-Beiträge sind Sonderausgaben

Auch ohne Kinder kommen Sie als Single in 25 Jahren auf 3.850 Euro Zuschuss vom Staat, wenn es bei den heutigen Fördersätzen bleibt. Ein Kind bringt zusätzlich bis zu 7.500 Euro. Doch damit nicht genug: Neben der Zulage kommt für Sie eventuell auch noch eine steuerliche Förderung in Frage. Denn bis zu einem Höchstbetrag von 2.100 Euro können Sie Ihre Riester-Beiträge in der Steuererklärung als Sonderausgaben absetzen.

Wenn sowohl Sie als auch Ihr Ehepartner förderberechtigt sind, können Sie diesen Betrag beide absetzen. Das Finanzamt berücksichtigt sowohl Ihren Eigenbeitrag als auch den Zulagenanspruch.

Ihre Riester-Beiträge geben Sie nicht bei den Sonderausgaben im Mantelbogen an, sondern in der Anlage AV. Hier tragen Sie ein, was Sie in den Riester-Vertrag eingezahlt haben. Den Zulagenanspruch berücksichtigt das Finanzamt automatisch – selbst dann, wenn Sie die Zulage gar nicht beantragt haben. Banken und Versicherungen sind inzwischen verpflichtet, Riester-Beiträge automatisch an das Finanzamt zu übermitteln, Sie brauchen also keine Bescheingung beilegen.

Finanzamt prüft, was günstiger ist

Aus Ihren Zahlungen plus den Zulagen errechnet sich der mögliche Sonderausgabenabzug. Zum Tragen kommt er aber nur, wenn die dadurch erzielbare Steuerersparnis höher ist als die möglichen Zulagen. Das müssen Sie nicht selbst herausfinden, das Finanzamt rechnet automatisch im Rahmen der sogenannten „Günstigerprüfung“ nach. Das ist natürlich nur möglich, wenn Sie auch eine Steuererklärung machen!

Fällt die Steuerersparnis geringer aus als die Zulagen, passiert gar nichts. Fällt sie höher aus, können Sie sich freuen, dann berücksichtigt das Finanzamt Ihre Riester-Beiträge als Sonderausgaben und Sie sparen Steuern. Die Zulagen werden von der Steuerersparnis allerdings abgezogen, es soll ja keine Doppelförderung geben.

Besonders praktisch: Anders als die Zulage fließt die Steuerersparnis nicht zwangsläufig in die Altersvorsorge, sondern zur freien Verwendung auf Ihr Konto. Sie können das Geld in den Riester-Vertrag einzahlen, müssen das aber nicht tun. Aufpassen sollten Sie nur, wenn Sie den Riester-Vertrag später auflösen und das Geld doch nicht für die Altersvorsorge verwenden. Das gilt als „schädliche Verwendung“. Und dann müssen Sie nicht nur die Zulagen zurückzahlen, sondern auch die gesparten Steuern.

 

 

3 Kommentare

  1. Seit 2018 beträgt die Grundzulage von Staat 175€ und nicht mehr 154€, wie oben beschrieben.

  2. werden die zulagen im rentenalter versteuert ?

    • Thilo Rudolph

      Hallo Natalie,

      Ja. Da der Aufbau der Riester-Rente aus unversteuertem Einkommen gebildet wird, unterliegen die späteren Auszahlungen der regulären Einkommensteuer. Die Renten sind dann also nicht bloß mit dem Ertragsanteil (den Zinsen) zu versteuern, wie dies bei Rentenzahlungen aus einer privaten Rentenversicherung der Fall ist, die nicht vom Staat unterstützt werden. Durch Riester geförderte Renten müssen Sie im Alter voll versteuern.

      Für die künftigen Rentnerinnen und Rentner bedeutet das: Haben sie eine nicht geförderte private Rentenversicherung abgeschlossen, für die sie Beiträge aus versteuertem Einkommen zahlen, müssen sie im Rentenalter nur den Ertragsanteil versteuern. Haben die Rentner dagegen eine Anlageform gewählt, für die sie staatliche Zulagen erhalten haben, müssen sie die Rente mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Und dieser ist abhängig vom Gesamteinkommen des Ruheständlers. Dies gilt für alle geförderten Anlagen, also sowohl für Versicherungen als auch für Fonds- oder Banksparpläne.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

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