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Abfindung: Das wichtigste zur Fünftelregelung

Je nach wirtschaftlicher Auftragslage lassen sich Kündigungen im Betrieb nicht immer vermeiden. Im besten Fall bleibt dem Mitarbeiter die Möglichkeit eine Abfindung vom Arbeitgeber einzufordern. Welche Höhe die Abfindung aufweist und in welcher Form die Abfindung gezahlt wird beeinflusst allerdings die spätere steuerliche Behandlung. Generell gilt für alle Abfindungsarten, dass sie in der Steuererklärung angegeben werden müssen.

 

Von welcher Abfindungssumme ist auszugehen?

Nach § 1a Kündigungsschutzgesetz (KSchG) haben alle Mitarbeiter bei einer betriebsbedingten Kündigung Anspruch auf eine Abfindung. Ein freiwilliges Abfindungsangebot muss zusammen mit der Kündigung an den Mitarbeiter weitergeleitet werden. Voraussetzung zum Erhalt der Abfindung ist jedoch, dass der Arbeitnehmer nicht gegen die Kündigung klagt.
Die Höhe der Abfindung orientiert sich an der Anzahl an Beschäftigtenjahren im Unternehmen. Pro Beschäftigungsjahr besteht Anspruch auf einen halben Monatslohn. Bei einer zehnjährigen Unternehmenstätigkeit besteht somit Anspruch auf eine Summe die dem Gehalt von fünf Monatslöhnen entspricht. Hinzu kommen Ansprüche aus Sachleistungen des Arbeitgebers. Wurden also Dienstfahrzeug oder Dienstlaptop zur Verfügung gestellt, ist davon der Nutzungswert bei der Berechnung der Abfindungshöhe hinzuzurechnen.

Sicherlich sind auch niedrigere oder höhere Abfindungen möglich, doch handelt es sich dann in der Regel nicht mehr um eine betriebsbedingte Kündigung, sondern um einen Abwicklungs- beziehungsweise Abfindungsvertrag.

 

Steuerliche Behandlung der Fünftelregelung

Steuerlich wurden Abfindungen ehemals nach dem „Halbeinkünfte-Verfahren“ berechnet oder sich Abfindungsfreibeträge zu nutze gemacht. Beides gibt es heutzutage nicht mehr. Um sich steuerlich Vorteile zu verschaffen, gibt es als verbleibende Option noch die Fünftelregelung.

Der Steuersatz wird dadurch für das laufende Jahr vermindert, da durch diese Regelung die steuerliche Anrechnung auf fünf Jahre verteilt wird. In dem Jahr, in dem die Abfindung anfällt muss somit nur ein Fünftel der Abfindungssumme angegeben werden. Selbiges gilt für die vier drauffolgenden Jahre. Von der Auswirkung ist es so, als erhielte der Arbeitnehmer die Abfindung gleichmäßig auf die nächsten fünf Jahre verteilt. Bei der Berechnung der im gesamten zu zahlenden Steuer für die Abfindung wird zunächst das zu versteuernde Einkommen für das entsprechende Jahr berechnet. Dann wird ein Fünftel der Abfindungssumme als zu versteuerndes Einkommen hinzugerechnet und erneut das zu versteuernde Einkommen berechnet. Aus diesen beiden errechneten Steuern wird die Differenz gebildet.

Dieser Differenzbetrag wird mit fünf multipliziert. Dadurch erhält der Steuerzahler die Summe, die er an Steuern für die gesamte Abfindung zu zahlen hat.

 

Was gilt es zu beachten?

Bei der Fünftelregelung muss beachtet werden, dass sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Regel anwenden zu können. So muss die Abfindung als Entschädigung den Verlust des Arbeitsplatzes gelten. Die Kündigung muss dazu von Seiten des Arbeitgebers ausgegangen sein. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Abfindung als „Ausgleich für Einnahmenverluste“ geltend gemacht werden kann.

Des Weiteren muss die Abfindung als außerordentliche Einkunft zählen. Denn dann ist genau die beschriebene Möglichkeit der Fünftelregelung anwendbar. Dies gilt ebenso für alle anderen außerordentlichen Einkünfte. Mit eine Bedingung dafür ist, dass diese dann auch tatsächlich in Form einer Einmalzahlung erfolgt sind.

Der Definition nach sind außerordentliche Einkünfte, Einkünfte, die über einen mehrjährigen Zeitraum erwirtschaftet werden, aber in einem Jahr ausgezahlt werden. Daher wurde vom Staat mit der Fünftelregelung ein Weg geschaffen, den Steuerzahler von einer zu hohen Steuerbelastung zu befreien. Dennoch sollten auch andere Möglichkeiten der Lohnsteuerermäßigung nicht aus den Augen gelassen werden. Für bestimmte Einnahmen gibt es immer noch Freibeträge oder Abschreibungsmöglichkeiten. So kann das geltend machen von Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen zu einer zusätzlichen Reduktion der Lohnsteuer führen.

 

Vorteile der Fünftelregelung bei einer Abfindung

Einen Vorteil durch die Fünftelregelung haben in erster Linie Arbeitnehmer, die eine hohe Abfindung erhalten und auf ihr normales Gehalt keinen hohen Steuersatz zahlen müssen. Da bedeutet, vor allem Arbeitnehmer, die selber kein allzu hohes Gehalt erwirtschaften und ihre hohe Abfindung einer langjährigen Betriebszugehörigkeit zu verdanken haben, profitieren von der Fünftelregelung. Denn wer ohne Abfindung ein Einkommen aufweist, für das nur ein geringer Steuersatz anfällt, der rutscht durch die Abfindung in einen wesentlich höheren Steuersatz. Durch die Fünftelregelung wird dieser Effekt minimiert.

Wer sich hingegen mit seinem Verdienst schon im Bereich des Spitzensteuersatzes befindet, für den spielt die Regelung keine Rolle. Denn egal, ob der Betrag auf einmal oder über fünf Jahre hinweg geltend gemacht wird, am Steuersatz wird sich in diesem Fall nichts verändern.

 

Fazit:

Mit der Fünftelregelung lässt sich unter Umständen im Falle einer Abfindung einiges an Steuern sparen. Die steuerliche Anrechnung der Summe wird dabei auf fünf aufeinanderfolgende Jahre verteilt. Jeder sollte dazu überprüfen, ob er alle Voraussetzung erfüllt, um von dieser Regelung Gebrauch zu machen. Lohnen tut sich dies vor allem für langjährige Mitarbeiter, die eine hohe Abfindung erhalten, aber mit ihrem eigentlichen Gehalt noch weit vom Spitzensteuersatz entfernt liegen. Weitere wichtige Informationen zur Fünftelregelung und zu Sonderfällen sind unter https://www.abfindungsrechner.com/fuenftelregelung-abfindung/ einsehbar.

4 Kommentare

  1. Wird bei Anwendung der Fünftelregelung auch die Abfindung auf fünf Jahre verteilt oder erfolgt die Auszahlung komplett und nur die
    Steuer wird auf fünf Jahre verteilt ?

    • Hallo Norbert,

      Abfindungen und andere außerordentlichen Einkünfte werden ohne besonderen Antrag nach der Fünftelregel und damit mit einem anderen Steuersatz berechnet. Die ermittelte Steuer gilt für die gesamte Abfindung.
      Bei der Fünftelregelung wird die Abfindung also in dem Jahr versteuert, in dem diese ausgezahlt wurde, und auch die Steuer fällt nur in diesem Jahr an.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

  2. Wenn die Abfindung im Januar 2017 ausgezahlt wurde, wann ist die Anlage N beim Finanzamt einzureichen? Viele Grüße Steffi Ritz

    • Hallo Steffi,

      die Anlage N ist immer gemeinsamt mit der jeweiligen Steuererklärung abzugeben. Also müssen Sie die Anlage N für 2017 auch mit Ihrer Einkommenssteuererklärung für 2017 abgeben.

      Für das Steuerjahr 2017 müssen Sie die Abgabe Ihrer Steuererklärung bis 31.05.2018 durchführen; wenn Sie nicht zur Abgabe verpflichtet sind, haben Sie sogar bis 31.12.2021 Zeit.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thilo Rudolph
      Lohnsteuer kompakt

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